Deflation

Deflation: Bedeutung und ihre Gefahr für Deutschland und Europa

Während mit dem Begriff Inflation (= Geldentwertung) noch fast jeder etwas anfangen kann, tauchen bei der Deflation oft schon große Fragezeichen in den Köpfen der Menschen auf. Kurz gesagt handelt es sich bei der Deflation (= lat. "Abschwellung") um einen fortdauernden Prozess stetiger Preissenkungen innerhalb einer Volkswirtschaft. Wenn also die allgemeine Geldmenge verringert wird, steht dieser geringen Geldmenge einer deutlich größeren Gütermenge gegenüber. Die Folge: Alle Güter innerhalb einer Volkswirtschaft werden schrittweise immer billiger. Das Geld dagegen wird mehr wert. Deswegen ist die Deflation (= Geldaufwertung) auch als Gegenstück der Inflation (= Geldentwertung) zu sehen. Aber was sind die Ursachen und Folgen einer solchen Deflation und wie wirkt sie sich aufs Anlage- und Konsumverhalten der Menschen aus?

Immer mehr Finanzexperten warnen vor einer drohenden schleichenden Deflation, die uns in der nahen Zukunft heimsuchen soll. Genau vorhersehen kann man das zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch nicht. Fakt ist jedoch, dass schon jetzt ein begründeter Verdacht für das Eintreten einer Deflation vorliegt.

Ursachen einer Deflation

Die Ursachen für eine Deflation können vielseitig sein. Ein mögliches Szenario: Der Volkswirtschaft geht es schlecht, private Haushalte und auch Unternehmen werden skeptischer und das Vertrauen in die Volkswirtschaft sinkt. Dementsprechend investieren die Menschen nur noch ein Minimum an Kapital und horten den Rest für die bevorstehenden schlechten Zeiten. Jetzt sinkt also die Geldmenge, die sich im Umlauf befindet. Die zur Verfügung stehende Gütermenge auf der anderen Seite ist allerdings noch hoch. Infolgedessen sinken die Preise, da das Geld aufgrund seiner Knappheit jetzt mehr wert ist. Die Deflation ist eingetreten.

Ein anderer Grund für eine Deflation könnten riskante Spekulationsgeschäfte sein. Warum? Ganz einfach: Wenn Investoren viel Kapital in spekulative Anlagen wie Immobilienfonds stecken und die „Blase“ irgendwann platzt, tritt selbiges Szenario ein, da das Geld wiederum knapper wird. Auch drastisch eingekürzte Staatsausgaben können im schlechtesten Fall zu einer Deflation führen.

Folgen einer Deflation

Auf dem ersten Blick scheint eine Deflation keine Nachteile zu haben. Im Gegenteil: Wieso sollten preiswertere Waren und Dienstleistungen eine Gefahr für die Volkswirtschaft darstellen? Kurzfristig gesehen ist dieser Gedanke auch gar nicht so verkehrt. Doch mittel- und langfristig ist eine solche Deflation für eine Volkswirtschaft extrem schädlich. Doch dazu Schritt für Schritt zum "Teufelskreis" für den privaten Haushalt:

  1. Schritt: Geld wird knapper, Waren/Dienstleistungen werden billiger
  2. Schritt: Verbraucher können sich mehr leisten für ihr Einkommen
  3. Schritt: Im Gegenzug kommt es zu Umsatzrückgängen in fast allen Branchen, Kaufkraft sinkt
  4. Schritt: Wettbewerb wird härter, Unternehmen müssen sparen
  5. Schritt: Löhne sinken, viele Arbeitnehmer müssen entlassen werden
  6. Schritt: Belastung auf den Staat wächst, Finanzsystem droht zu kollabieren

Es bringt also nichts, wenn für den Verbraucher zunächst die Preise für Waren und Dienstleistungen sinken. Schlussendlich kommt der Bumerang zurück und wird viele den Arbeitsplatz kosten. Schon alleine dieser Grund sollte ausreichen, um zu merken, dass eine Deflation eine große Gefahr für unsere Volkswirtschaft darstellen kann. Eine zusätzliche Folge der Deflation könnte auch eine Inflation sein. Für den Staat ist das allerdings das deutlich kleinere Übel, da durch die Inflation die Steuereinnahmen natürlich erhöht werden (beispielsweise durch die Mehrwertsteuer) und Schulden leichter zurückgezahlt werden können.

Es gibt allerdings auch Gruppen, die während einer Deflation profitieren. Dazu zählen in erster Linie die Gläubiger. Das Kapital, das sie an den Schuldner geliehen haben, gewinnt zunehmend an Wert. Die Belastung für den Kreditnehmer wird deutlich größer und der Gläubiger profitiert.

Auswirkungen auf Anleger und Konsumenten

Von einer Deflation profitieren in erster Linie diejenigen, die über Geldvermögen verfügen. Da Kapital bei einer Deflation knapper wird, wird es zugleich mehr wert. Dementsprechend ergeben sich während einer Deflation Vorteile für all diejenigen mit Geldvermögen. Immobilienbesitzer dagegen werden stark benachteiligt, da Häuser und andere Immobilien weniger wert werden. Die Entwicklung der Realrendite einer Geldanlage für verschiedene Zinsniveaus und Teuerungsraten zeigt Ihnen diesen Sachverhalt recht anschaulich auf:

Entwicklung der Realrendite bei Zinsniveau von Teuerungsrate
Deflation   Inflation
-3,00% -2,50% -2,00% -1,50% -1,00% -0,50% 0,00% 0,50% 1,00% 1,50% 2,00% 2,50% 3,00%
5,00% 8,00% 7,50% 7,00% 6,50% 6,00% 5,50% 5,00% 4,50% 4,00% 3,50% 3,00% 2,50% 2,00%
4,50% 7,50% 7,00% 6,50% 6,00% 5,50% 5,00% 4,50% 4,00% 3,50% 3,00% 2,50% 2,00% 1,50%
4,00% 7,00% 6,50% 6,00% 5,50% 5,00% 4,50% 4,00% 3,50% 3,00% 2,50% 2,00% 1,50% 1,00%
3,50% 6,50% 6,00% 5,50% 5,00% 4,50% 4,00% 3,50% 3,00% 2,50% 2,00% 1,50% 1,00% 0,50%
3,00% 6,00% 5,50% 5,00% 4,50% 4,00% 3,50% 3,00% 2,50% 2,00% 1,50% 1,00% 0,50% 0,00%
2,50% 5,50% 5,00% 4,50% 4,00% 3,50% 3,00% 2,50% 2,00% 1,50% 1,00% 0,50% 0,00% -0,50%
2,00% 5,00% 4,50% 4,00% 3,50% 3,00% 2,50% 2,00% 1,50% 1,00% 0,50% 0,00% -0,50% -1,00%
1,50% 4,50% 4,00% 3,50% 3,00% 2,50% 2,00% 1,50% 1,00% 0,50% 0,00% -0,50% -1,00% -1,50%
1,00% 4,00% 3,50% 3,00% 2,50% 2,00% 1,50% 1,00% 0,50% 0,00% -0,50% -1,00% -1,50% -2,00%
0,50% 3,50% 3,00% 2,50% 2,00% 1,50% 1,00% 0,50% 0,00% -0,50% -1,00% -1,50% -2,00% -2,50%
0,00% 3,00% 2,50% 2,00% 1,50% 1,00% 0,50% 0,00% -0,50% -1,00% -1,50% -2,00% -2,50% -3,00%

 

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Ein cleverer Anleger wird sich also während einer Deflation so verhalten, dass er möglichst viele Sachwerte kauft. So kann er für sein Geldvermögen zum Beispiel Immobilien oder andere Sachen günstig kaufen, da es wie bereits erwähnt fortdauernd zu Preissenkungen für Waren und Dienstleistungen kommt.

Konsumenten werden sich zunächst freuen, dass sie sich mit ihrem Lohn vermeintlich viele günstige Waren leisten können. Doch spätestens wenn die Branchen über starke Umsatzeinbußen klagen werden und Mitarbeiter entlassen müssen, kommt der Bumerang zurück.

Historische Deflation

Die letzte größere Deflation gab es in den frühen 1930er Jahren. Die Gründe hierfür waren vielseitig. So kam es infolge des Ersten Weltkriegs zu Überproduktionen. Weiterhin senkte die US-Notenbank die Geldmenge um knapp ein Drittel. Hinzu kam der Schwarze Donnerstag an der Börse. Die Folge: Die USA brauchte aufgrund eigener finanzieller Schieflage die Kredite, die sie vorab an Deutschland herausgegeben hat, wieder zurück. Deutschland versuchte natürlich dieser Verpflichtung nachzukommen – größtenteils in Gold. Das Problem: Das umlaufende Geld im Deutschen Reich war nur zu 40 Prozent mit Devisen und Gold gedeckt. Nachdem das Gold verschwand, wirkte sich dies mit seinem fast 2,5-fachen Hebel auf die im Umlauf befindliche Geldmenge aus. Infolgedessen sank die Geldmenge natürlich innerhalb kürzester Zeit drastisch. Jetzt kam es zu einer historisch hohen Zahl an Arbeitslosen. Die Deflation blühte auf.

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Autor: Christian Finkenbrink

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